Roadtrip – Teil 1 – die Hinfahrt nach Wien


Auf der Liste mit Dingen die man unbedingt mal erleben muss, darf ein Roadtrip nicht fehlen. Ich kann hinter diesen Punkt nun ein Häckchen setzen – yeah!! Mein Roadtrip war ein Umzug von Wien nach Berlin. Das erste Problem bestand darin, das Transporter leider nicht in Wien angemietet und einfach in Berlin wieder abgeben werden können. Deswegen galt es, eine Hin- und eine Rückfahrt mit insgesamt 1600 km zu bewältigen.

Als ersten wurde ein langer Sprinter bei Sixt Wochen im Voraus reserviert – das gelang noch problemlos. Der Umzug selbst sollte vom 26.7.-27.7. stattfinden. Samstag um 8 Uhr war als Startzeit ausgemacht. Bei Sixt die Schlüssel für den Transporter geholt und los ging die Reise nach Wien – soweit zur Theorie. In der Praxis gings bis zum Mehringdamm – hier blinkte dann erstmals eine “Defekt” Meldung im Boardcomputer des Transporters, begleitet von einem Piepen alle paar Meter. Grund genug umzukehren und bei Sixt ein Ersatzauto anzufordern. Kein Problem? Doch, es gab kein Auto mehr in der Klasse. Gut, normalerweise bekommt man nun ein Upgrade für eine höherwertige Mietwagen – was soll das aber bei einem Transporter werden? Man bot uns einen 7,5 Tonnen LKW an. Wahnsinn – Blattfederung und ohne Klimaanlage – Herz was willst du mehr. Da kann man einfach nicht NEIN sagen oder? Mittlerweile waren weitere 2 Stunden vergangen und wir waren immer noch in Berlin. Die Lösungsvorschläge von Sixt bestanden aus einem Transporter, an dem gerade ein neues Rad befestigt werden sollte – oder wir warten bis ein verliehener Transporter wieder abgegeben wird. Beides keine Alternativen.

Also Neustart bei “Los” und ab ging die Reise zum 2. Mal nach Wien. Mittlerweile war es bereits 10:30 Uhr. Für den LKW gab es dann auch keinerlei Einweisung oder andere Hinweise. Dies wurde auch spontan zu einem weiteren Problem für uns, als wir die Autobahn erreichten. Hier stellte sich nun heraus, das der LKW gedrosselt war – und zwar auf 90km/h! Super! Das Navi zeigt ne Wahnsinnsreisezeit bei 90km/h für knapp 800km an. Was nun? Nochmal zurückfahren und doch auf den Transporter warten? Nein, das ging nicht, wollten wir den Umzug dieses Wochenende noch schaffen. Also auf die Zähne beissen bzw. aufs Gaspedal treten und weiter – ganz nach dem Motto “Augen zu und durch”.

Bei mittlerweile 30 Grad dauerte es auch nicht lange, bis der erste LKW vor uns fuhr und zwar genau 3-5 km/h langsamer als wir. Sowas nervt ab, wenn man zusätzlich gebremst wird, das Navi die Ankunftszeit mit jedem Meter hinter dem anderen LKW weiter nach hinten verschiebt und überholen des selbigen gefühlte 19 Minuten dauert. Also tuckert man auf voller Autobahn erstmal hinterher. Das ist so eintönig und langweilig, das wir prompt am Autobahndreieck Spreewald die Ausfahrt nach Dresden übersehen haben und nicht abgebogen sind. Tja, bemerkt haben wir das leider erst nach 40km. HAMMA – das Ganze dann zurück auch nochmal 40km – sind wir bei Tempo 90 km/h fast genau 1 Stunde mehr oder weniger auf der Stelle gefahren.

Nach einer Ewigkeit haben wir dann die Landesgrenze erreicht. Es ging nun weiter durch das wilde Tschechien. Hier wurde 100%tig der Wackeldackel erfunden und zwar von einen LKW Fahrer der mit Blattfederung unterwegs war. Die Strassen hier sind teilweise in einem so beschissenen Zustand. Riesen Löcher mitten auf dem Asphalt, Spurrinnen in denen die Deutsche Bahn gefahrlos Züge fahren lassen könnte und aneinandergelegte Strassenplatten, an denen jeder BMXer und Skater seine Freude beim Bunny Hop üben haben würde. Dank der “modernen” Blattfederung in unserem LKW haben wir jede kleine Strassenunebenheit 1:1 spüren dürfen – ich kann jetzt Leute verstehen denen beim Autofahren schlecht wird. Achja und wenn bei uns die linke Spur Krieg ist, dann ist bei unseren Nachbarländern die rechte Spur Picknick. Was da geparkt wird ist der Wahnsinn. Einfach mal rechts raus – Warnblinker an – die Fahrertür aufreissen und das von hinten vorbeifahrenden Auto bei Tempo 130 persönlich abklatschen. Krass, was die da auf der Autobahn treiben.

So, genug Probleme, jetzt muss es doch problemlos nach Wien gehen, oder? Ihr irrt gewaltig. Für Tschechien und die Slowakei benötigt man Vignetten – alles kein Problem? Ja wenn man genug Bargeld mit hat stimmt das auch. Ohne Bargeld und der einheimischen Sprache mächtig zu sein gibt das riesen Probleme. Es gibt keine Automaten und Karten werden nicht geduldet – das gilt übrigens für beide Länder!!! Die Wechselstuben schicken einen an die Tankstellen und diese dann wieder zurück an die Wechselstuben – jeweils mit dem Hinweis, das man nur beim jeweils Anderen die Vignette mit Karte bezahlen kann. Erst nach ewigem Verhandeln mit Händen und Füssen hatte ich die Vignetten doch irgendwo mit Karte bezahlen können.

Und wer jetzt denkt unsere Freunde in Österreich sind da zivilisierter – vergesst es. Hier bekommt man keine Vignette sondern gleich ne komplette Mautbox. Die ist Prepaid mit 80€ zu erwerben, wenn das Guthaben abgefahren ist, fängt sie laut an zu piepen und man muss wieder anhalten und neues Guthaben auf die Box laden lassen. Innovation sieht mal ganz anders aus – soviel ist sicher. Und übrigens auch die Box konnte ich erst nicht mit Karte bezahlen – auch hier half erst ein “kurzes” Nachverhandeln. Warum sämtliche Vignetten nur bar bezahlt werden können, ist mir immer noch ein Rätsel, das mir keiner beantworten konnte! Nach der letzten Etappe sind wir dann endlich gegen 22:30 Uhr ohne größere Probleme in Wien angekommen.

Jetzt nur noch schnell den LKW beladen – HaHa :-) Zu viert waren wir erst 2 Stunden später fertig mit dem Beladen des LKW (Tetris mussten wir zum Glück nicht spielen da wir ja enorm viel Platz hatten). Zum Abschluss gab es dann noch als Mitternachtssnack Pizza und Bier und geistig waren wir dann schon wieder auf der Autobahn und freuten uns RIESIG auf die Rückfahrt am nächsten Morgen….

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